Das Wichtigste in Kürze
- Standort: Burgbachwasserfall bei Bad Rippoldsau-Schapbach (Schwarzwald), 32 m Gesamthöhe und einer der höchsten frei fallenden Wasserfälle Deutschlands.
- Route: vom Wanderparkplatz an der Wolftalstraße ca. 700 m, rund 110 Höhenmeter — kurz, aber knackig. Etwa 15–20 Minuten.
- Beste Zeit: überraschend gut zur Mittagszeit — bei uns Ende Juni, wenn die Sonne über dem engen Felskessel steht und weiches Gegenlicht durch die Bäume wirft.
- Equipment: Weitwinkel (11–16 mm auf APS-C), stabiles Stativ, ND1000-Graufilter — zwingend für lange Belichtungszeiten am Tag.
- Kern-Settings: 25–30 Sek. Belichtungszeit, ISO 100–200, Blende je nach Bildidee f/2.8 (Vordergrund im Bokeh) bis f/8 (durchgehende Schärfe).
- Profi-Tipp: Geh tief runter in die Froschperspektive und nimm mit offener Blende einen nahen Vordergrund (z.B. Steingruppen) bewusst unscharf mit — das rahmt den scharf gestellten Wasserfall ein und gibt dem Bild Tiefe.
Fünf Fotografen, fünf Stative, ein Ziel: der Burgbachwasserfall im Schwarzwald. Wir kamen aus Tübingen, alle mit der gleichen Idee: Wasserfall + Langzeitbelichtung = starke Fotos. Der Plan war gut. Das Timing zunächst nicht — wir kamen später los als geplant und waren ungefähr zur Mittagszeit am Wasserfall. Im Auto ging schon das große Lamentieren los: Mittagssonne, hartes Licht, das wird fototechnisch eine Katastrophe.
Doch es kam komplett anders. Aber der Reihe nach.
Kurz zur Einordnung, denn das macht den Spot so besonders: Der Burgbachwasserfall bringt es auf eine Gesamthöhe von 32 Metern, davon allein 15 Meter frei fallend — damit zählt er zu den höchsten frei fallenden Wasserfällen Deutschlands. Die Fallstufe besteht aus widerstandsfähigem, verkieseltem Sandstein, der über dem weicheren Granit liegt. Sein Einzugsgebiet ist allerdings klein, weshalb er nach längerer Trockenheit auch mal deutlich weniger Wasser führt. Wir hatten Glück — bei uns kam ordentlich was runter.
Vom Wanderparkplatz zum Wasserfall: kurz, aber knackig

Startpunkt ist der Wanderparkplatz an der Wolftalstraße. Von hier sind es nur rund 700 Meter bis zum Wasserfall — klingt nach nichts, hat es aber in sich: Auf dieser kurzen Strecke überwindet man etwa 110 Höhenmeter, von knapp 490 auf rund 600 Meter. Wer mit vollgepacktem Fotorucksack und Stativ unterwegs ist, kommt da durchaus ins Schnaufen.
Das erste Stück läuft man durch offenes Gelände auf einem geteerten Weg leicht bergan. Danach geht es in den Wald, und der Untergrund wird zum klassischen Wanderweg: festgetretener Boden, einzelne dicke Baumwurzeln und Steine machen den Pfad etwas uneben, aber er bleibt durchweg gut begehbar. Festes Schuhwerk reicht völlig.
Wander-TippWer mehr als die kurze Strecke zum Wasserfall laufen möchte, findet hier auch eine schöne Rundtour: Die Klösterle-Schleife aus der Reihe „Genießerpfade im Schwarzwald“ führt direkt am Burgbachwasserfall vorbei.
Wir sind zügig gelaufen — vor allem aus Sorge, das perfekte Licht zu verpassen. In gut einer Viertelstunde standen wir jedoch am Fuß des Wasserfalls, ordentlich außer Atem. Und dann passierte das, was solche Foto-Touren ausmacht: Stative raus, Kameras drauf, und nach den ersten Minuten Hektik wurde es auf einmal ganz still und fast meditativ. Nur das Rauschen des Wassers und das Klicken der Verschlüsse.
Warum das gefürchtete Mittagslicht hier ein Glücksfall war
Jetzt kommt der Twist. Normalerweise gilt die Mittagssonne als Feind der Landschaftsfotografie: hart, kontrastreich, von oben knallend. Am Burgbachwasserfall war genau das Gegenteil der Fall — und das hat einen Grund: Der Wasserfall liegt in einem engen, dicht bewaldeten Felskessel. Mittags steht die Sonne hoch genug, um über diesen Kessel zu treten und ihr Licht von oben durch die Baumkronen zu schicken — statt flach und hart von der Seite. Das Ergebnis ist ein weiches, von Blättern gefiltertes Gegenlicht, das oben über der Felskante hereinbricht. Unten im Kessel selbst bleibt es dagegen schattig.

Und genau diese Kombination ist ein Geschenk für Langzeitbelichtungen: Weil es unten etwas dunkler war, ließen sich die langen Belichtungszeiten überhaupt erst sauber umsetzen, ohne dass das Bild ausbrennt. Das harte Gegenlicht von oben wurde so vom Problem zum gestalterischen Highlight — der helle Lichtdurchbruch zieht den Blick automatisch nach oben zur Abrisskante des Wasserfalls.
Die Lehre für mich: Pauschale Regeln wie „nie mittags fotografieren“ oder „zwischen elf und drei hat der Fotograf frei“ gelten nicht überall. In engen, bewaldeten Schluchten kann hoch stehendes Licht sogar ideal sein. Im Zweifel lohnt sich der Versuch immer mehr als die Theorie. Wenn du dich für weitere Spots interessierst, schau auch in meinen Beitrag zum Uracher Wasserfall im Winter — ein ganz anderer Charakter, aber ebenso lohnend.
Mein Equipment & die Settings am Burgbachwasserfall
Fotografiert habe ich mit einer Canon EOS 80D und einem Weitwinkelobjektiv von Tokina (11-16mm), dazu ein stabiles Stativ und ein ND1000-Graufilter. Der Graufilter ist hier kein Nice-to-have, sondern Pflicht: Ohne ihn bekommt man tagsüber niemals Belichtungszeiten im Bereich von 25 bis 30 Sekunden hin, ohne das Bild komplett zu überbelichten. Genau diese langen Zeiten sind es aber, die dem fallenden Wasser den seidig-weichen Look geben.
Spannend wird es bei der Blende — denn die habe ich für meine beiden Lieblingsbilder ganz bewusst unterschiedlich gewählt:
| Einstellung | Querformat | Hochformat |
|---|---|---|
| Uhrzeit | ca. 10:45 Uhr | ca. 12:17 Uhr |
| Brennweite | 11 mm | 16 mm |
| Blende | f/2.8 | f/8 |
| Belichtungszeit | 25 Sek. | 30 Sek. |
| ISO | 100 | 200 |
| Filter | ND1000 | ND1000 |
| Stativ | ja | ja |
| Foto anschauen | Foto anschauen |
Beim Querformat bin ich mit offener Blende (f/2.8) ganz tief in die Froschperspektive gegangen. Scharf gestellt habe ich auf den Wasserfall selbst — der unmittelbare Vordergrund direkt vor der Linse bleibt durch die Offenblende und den geringen Abstand bewusst unscharf. Genau dieser weiche Vordergrund rahmt das Bild ein und erzeugt enorme Tiefe — das klassische „Vordergrund macht das Bild gesund“.
Beim Hochformat wollte ich genau das Gegenteil: durchgehende Schärfe über die komplette nasse Felswand, damit jede einzelne Wasserrinne sauber durchgezeichnet ist. Dafür habe ich auf f/8 abgeblendet. Das Hochformat betont zusätzlich die Fallhöhe — Format und Bildidee greifen ineinander.
Vier Tipps, wenn du den Burgbachwasserfall selbst fotografieren willst
- Geh tief runter. Die Froschperspektive lässt den Wasserfall mächtiger wirken. Mit offener Blende kannst du einen nahen Vordergrund bewusst unscharf mitnehmen — das rahmt das Motiv ein und schenkt dem Bild Tiefe.
- Hab den ND-Filter dabei. Ohne ND1000 keine seidigen Langzeitbelichtungen bei Tageslicht. Ein Polfilter hilft zusätzlich gegen Reflexe auf nassem Fels und Laub.
- Hab keine Angst vor der Mittagszeit. Gerade im engen Kessel kann hoch stehendes Licht durch die Bäume zum Highlight werden. Probiers aus, statt nur auf die goldene Stunde zu schielen.
- Pass auf die Steine auf. Wer wie ich Steine als Vordergrund haben will, muss näher an den Bach — und der Fels ist dort nass und rutschig, je nach Pegel mehr oder weniger. Tief ist der Bach zwar nicht, reinfallen kann man kaum, aber nasse Schuhe und Socken sind schnell passiert. Tritt also bewusst.
Was als „Sorgenfahrt“ mit einem späten Start begann, wurde am Ende einer dieser Tage, an denen einfach alles passt: das Wetter, das Licht, die Truppe. Manchmal ist der vermeintlich schlechteste Zeitpunkt genau der richtige.

